Gibt es noch sehenswerte Orte?

Wir alle kennen das. In den Prospekten und auf Webseiten werden Reiseziele in den schönsten Farben dargestellt.

  • Bilder von endlosen einsamen Stränden abgebildet
  • Ursprüngliche Dörfer in den die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.  Menschen gehen ihrem romantisch anmutenden Alltag nach
  • Großstädte die sich von ihrer perfekten glitzernden Seite zeigen

Doch die Wirklichkeit sieht oftmals anders aus.

  • Die Strände sind überfüllt. Geschäftstüchtige Verkäufer wechseln sich mit dem Anbieten von Sonnenbrillen ab
  • Das einsame Dorf ist in Wirklichkeit ein lebendes Museum mit Kassenhäuschen
  • Die Stadtviertel mit der glitzernden Fassade sind überlaufen mit Busladungen von Touristen aus aller Welt

Lohnt es sich also überhaupt noch seine Internet Komfortzone zu verlassen und hinaus in diese Welt zu gehen?

 

Nichts ist so perfekt wie angepriesen und genau darin liegt auch der Reiz. Perfektion kann ganz schnell langweilig werden. Ich habe in der Vergangenheit in einigen sehr guten Hotels übernachtet und mache das heute nicht mehr.

Der erste Eindruck ist umwerfend. Riesige Eingangshallen mit Heerscharen von Personal die die perfekte Illusion am Leben halten. Zimmer mit goldenen Wässerhähnen und mehreren Fernsehern. Braucht man das wirklich? Auf wie vielen Fernsehern soll ich denn gleichzeitig Werbung anschauen?

Noch verrückter ist folgende Erkenntnis: Je besser das Hotel, desto größer die Wahrscheinlichkeit das Fenster nicht geöffnet werden können. Die abenteuerlichsten Erklärung gibt es dafür. Doch am Ende geht es nur um Eines. Kein bisschen vom wahren Leben da draußen soll in die künstlich erschaffene Welt im Inneren dringen.

Das Ganze kann man natürlich auf vieles anwenden was einem auf Reisen begegnet.

Die Hochglanz Skyline einer Metropole ist nicht der Platz an dem Menschen leben sondern eine Fassade im doppelten Sinne. Sie repräsentiert ein Bild das sie diejenigen geben die es sich leisten können. Wissend, dass sie ihr Geld auf manchmal “seltsame” Art und Weise gemacht haben.

Sollte man nun deshalb diese Orte meiden? Ich denke, nein. Inzwischen sehe es mehr als eine Art Freizeitpark. Ein Ort den man besucht um ein wenig Spaß zu haben und sich vom wahren Leben anzulenken. Für eine bestimmte Zeit ist es in Ordnung, dann wird´s aber auch langweilig.

Wenn ich heute an einen neuen Ort komme stehen die Reiseführerhinweise natürlich auch auf meiner Liste. Ich muss aber nicht mehr alles besichtigen. Wenn der ehemals kulturelle oder spirituelle Ort sich in einen großen Verkaufsstand mit  wenig brauchbarem Kram und zu vielen Besuchern verwandelt hat, drehe ich  direkt um.

Eine Sehenswürdigkeit die sich in einen überlaufenen Krims-Kram Basar verwandelt hat muss nicht sein.

Das heißt aber nicht, dass es nicht Sehenswertes mehr gibt. Gerade in den kleinen Seitenstrassen  spielt sich auch heute noch das wahre Leben ab und  das ist oftmals viel spannender.

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Besonders auf die asiatischen Länder trifft das zu. Die Wohnungen sind oftmals sehr klein und die Menschen leben förmlich auf der Strasse.

Sich einfach auf die Stufe in einem Hauseingang hinsetzen und dem regen Treiben zuschauen ist eine wunderbare Sache. Es wird niemals langweilig. Garantiert.

Der Händler von nebenan versucht seine Waren an den Mann zu bringen und die mobilen Garküchen bereiten die kleinen Köstlichkeiten zu. Ihren Duft kann man sich nur schwer entziehen.

Mein Tipp ist unbedingt hier zu essen. Gewöhnt an Reinheitsstandards und Normen regiert oftmals die Skepsis und ein wenig Angst vor allem möglichen. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen völlig zu unrecht. Denn nicht zu vergessen ist:

  • Es schmeckt besser als in den Touristenrestaurants
  • Es ist günstiger
  • Es werden traditionelle Speisen angeboten
  • Es kann ein Stück tatsächliches Leben miterlebt werden

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Es sind aber natürlich nicht nur die Garküchen oder das Essen die einen Abstecher lohnenswert machen Es ist die Vielfalt die allgegenwärtig ist. Viele Geschäfte sind in Räumlichkeiten tätig die nicht viel größer als eine Garage sind.

Während der Mechaniker einen Roller in seiner Werkstatt repariert, werden gleich nebenan Textilien angeboten und eine Tür weiter Obst. Ein Straßenverkäufer versucht seine Rolexuhren an den Mann zu bringen und all das kann vom Cafe gegenüber beobachtet werden. Es gibt immer etwas zu sehen.

Entgegen der häufigen Meinung gibt es diese Straßenzenen mitten in der City. Alte Stadtviertel mussten dem Wachstum weichen während  anderen bleiben durften und nun in einer unwirklichen Parallelwelt existieren.

In Shanghai, zum Beispiel, verlaufen parallel zu  Nanjing Lu, der größten Fußgängerzone der Stadt, mehrere Strassen die den Kontrast zu “neuen” Welt sehr deutlich machen. Alles nur einen Steinwurf von den Konsumtempeln entfernt.

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Der neue Reichtum fließt  in Richtung der neuen Stadtzentren. Die einfachen Menschen ziehen immer weiter hinaus an den Rand der Stadt. Saigon oder auch Hanoi sind Städte in denen das gerade passiert.

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Diese Vororte sind in keinem Reiseführer vermerkt. Wenn überhaupt mit dem Hinweis sich nicht bei Nacht alleine dort aufzuhalten.

Was übersetzt soviel heißt wie: Tagsüber findet hier das blühende Leben statt.Der Großstadtjungel ist nur einige Kilometer entfernt doch der neue Wohlstand ist hier noch nicht angekommen.

Kurz gesagt, der perfekte Ort Land und Leute kennen zu lernen.

Was in den Innenstädten die schmalen Gässchen sind, sind hier oftmals Ableger größere Flüsse an denen gelebt und gearbeitet wird. Dabei sind die schwimmenden Märkte  auch heute noch  Anlaufstelle für den täglichen Einkauf und nicht zuletzt der Ort an dem man sich trifft und Neuigkeiten austauscht.

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Wer als  Touri durch die etwas entlegenen Gegenden läuft wird hin und wieder etwas eigenartig angeschaut. Ich kann aber sagen, dass ich noch nie schlechte Erfahrungen gemacht habe. Solange Menschen mit Respekt behandelt werden und nicht gleich das große Teleobjektiv ins Wohnzimmer gehalten wird, sind die meisten Menschen eher neugierig interessiert als ablehnend.

Lohnt es sich also noch hinaus in zu gehen?

Ganz klare Antwort: JA.

Kein Foto und kein Medium kann das vermitteln was man auf einer Reise erlebt. Die Kombination der vielen Eindrücke muss selber erlebt und gefühlt werden. Die Realität ist immer anders als erwartet und das macht es spannend neues zu erleben.